Der NWA sucht einen Nachfolger für den kaufmännischen Leiter des Verbands. Seit mehr als 30 Jahren war das Carsten Ernst. Nun geht er Ende 2026 in den Ruhestand. Doch was macht eigentlich ein kaufmännischer Leiter? Carsten Ernst erzählt, was seine fünf Kernaufgaben sind.
- Finanzarchitekt des Wasserverbands
Carsten Ernst sorgt für Fairness und Gerechtigkeit
Als sich die Gründerväter unseres Verbandes 1993 entschieden, nicht alles auf Kredit zu bauen, sondern einmalige Anschlussbeiträge zu erheben, war das der Grundstein für die heutigen moderaten Gebühren. Wir haben damals verschiedene Finanzierungsvarianten durchgerechnet, auch die positiven wie negativen Erfahrungen von Wasserverbänden aus den alten Bundesländern aufgegriffen. Wichtig war für uns die Erkenntnis, dass ein Zweckverband nicht ausschließlich auf Pump leben kann. Das geht ja auch beim eigenen Hausbau nicht. Nach der Prüfung aller Varianten erwies sich eine Splittung in einmalige Beiträge für die Erschließung und Gebühren für den Verbrauch als beste Lösung. Als wir dann jedoch auch Beiträge von sogenannten „Alt-Anschließern“ einforderten, schlug uns eine Welle des Zorns entgegen. Es gab Widersprüche, Klagen, sogar persönliche Anfeindungen. Doch ich bin bis heute überzeugt, dass nur mit dieser Splittung der Finanzierung dauerhaft niedrige Gebühren möglich waren und künftig sind. Die Realität gibt uns recht: Aktuell zahlen unsere Kunden neben einer moderaten Grundgebühr 1,50 Euro pro Kubikmeter beim Trinkwasser und 2,75 Euro beim Schmutzwasser. Auch wenn dies aufgrund der allgemeinen Marktsituation nicht so bleiben wird, ist dies weniger als Mitte der 90iger Jahre.
Diese Berechnung des Finanzierungsmodells, aber auch die jährliche Gebührenkalkulation, das Erstellen der Wirtschaftspläne, die Bewertung von Investitionen, die Vorbereitung der Jahresabschlüsse für die Verbandsversammlung, die Zusammenarbeit mit den Banken gehören zu meinen wichtigsten Aufgaben. Kurz vor Weihnachten ist immer die Hochphase meiner Arbeit, da die Verteidigung des vergangenen Jahres und die Planung des Neuen zusammentreffen.
- Realitäts-Checker für die Technik
Seine kaufmännische Logik trifft auf technische Notwendigkeit
Kein Tag ist nur Zahlenschubsen – jeden Tag passiert etwas, das nicht im Lehrbuch steht. Ich bin Prellbock, aber auch Unterstützer der Technik. Mitunter muss ich den Verbandsvorsteher und den technischen Leiter „einbremsen“, wenn Ideen den finanziellen Rahmen sprengen. Doch es ist keine Einbahnstraße. Wenn die Techniker sagen: „Carsten, das müssen wir machen, sonst können wir einpacken“, dann muss ich finanzielle Lösungen dafür finden. Sei es beispielsweise für die strategische Neugestaltung der Wasserver- und Abwasserentsorgung oder die begleitende Sanierung des Trinkwassernetzes im Rahmen von Schmutzwasserinvestitionsmaßnahmen. Ich muss die Balance finden zwischen "Wir müssen sparen" und "Sonst können wir hier einpacken".
- Stratege für 120 Millionen
Er baut die finanzielle Statik des Verbands
120.000.000 Euro - das ist meine Lieblingszahl und sie erhöht sich von Jahr zu Jahr. Sie steht nicht auf einem Konto, sondern steckt im Anlagevermögen unseres Verbandsgebietes. Das ist die Zahl der unglaublichen Entwicklung des NWA. Heute drücken die Leute auf den Spülkasten und wissen einfach, dass das Schmutzwasser in Kanälen zum Klärwerk gelangt. Aus zwei Prozent Kanalisationsanschluss 1990 sind über 85 Prozent, aus zehn Prozent Trinkwasseranschluss sind 97 Prozent geworden. In mehr als 30 Jahren wurden Netze gebaut, Wasserwerke rekonstruiert, Druckerhöhungsstationen und Pumpwerke geschaffen. Meine Aufgabe war und ist es, diese gewaltigen Summen so zu steuern, dass aus Geld bleibende Werte entstehen und gleichzeitig die Infrastruktur für die Bürger bezahlbar bleibt. Der Fokus der Investitionen hat sich in den letzten Jahren verschoben. Ging es früher um die Erschließung neuer Gebiete, ist heute der Erhalt und die zukünftige Sicherung wichtig. Die Anlagen sind ein Drittel Jahrhundert alt, die Technik schreitet voran, die Gesetze werden strenger. Wir müssen sicherstellen, dass die Anlagen auch für die doppelte Einwohnerzahl als in der Wendezeit robust bleiben, dass Trinkwasser auch in Zukunft eine Qualität besitzt, mit der man bedenkenlos Babynahrung zubereiten kann. Das kostet Geld, das Geld unserer Bürger - ich sorge mit dafür, dass es sinnvoll eingesetzt wird.
- Diplomat und Anwalt des Kunden'
Hütet das Geld der Kunden mehr als sein eigenes.
Ich stehe der Kommunalaufsicht, den Wirtschaftsprüfern und vor allem der Verbandsversammlung und dem Vorstand Rede und Antwort. Der Jahresabschluss stellt immer ein Etappenziel dar. Solange sich ein Überschuss ergibt, sind alle zufrieden. Ein Überschuss wird in die neue Rechnungsperiode übernommen und stützt dort die Gebühren. Doch manchmal muss man auch bewusst einen Verlust akzeptieren, um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Auch wenn das unpopulär ist und es dann in der Verbandsversammlung „Klärungsbedarf“ gibt. Dies rückt zunehmend in den Fokus meiner heutigen Arbeit.
Meine eigentlichen Auftraggeber sind die Gebührenzahler, ich hüte ihr Geld mehr als mein eigenes. Wir sind ein solidarischer Verband. Dazu gehört auch, dass in Zukunft Menschen ans Trinkwasser und Schmutzwasser angeschlossen werden, bei denen es sich wirtschaftlich weniger lohnt als früher. Aber auch sie haben ein Recht auf Wasser in höchster Qualität. Gleichzeitig muss es langfristig ein bezahlbares Modell für die Kunden geben, die nie an die Kanalisation angeschlossen werden.
- Visionär
Entwickelt Strategien für das nächste Jahrzehnt.
Während das Tagesgeschäft läuft, muss man sich gedanklich bereits mit der Planung nach 2030 beschäftigen. Was ist, wenn wir unser Schmutzwasser nicht mehr dauerhaft zur Kläranlage Schönerlinde leiten können? Ein eigenes Verbandsklärwerk oder eine noch engere Kooperation mit Liebenwalde? Würde die dortige Kläranlage das gesamte Schmutzwasser des Verbandes aufnehmen können oder muss auch diese erweitert werden? Wie erfüllt der NWA die gesetzlichen Anforderungen der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL)? – und was kostet das alles unsere Bürger? Diese Fragen jetzt zu stellen, schützt den Verband vor bösen Überraschungen in der Zukunft. Als kaufmännischer Leiter muss ich bereits heute Szenarien durchrechnen, die in fünf oder zehn Jahren Realität werden könnten. Ich habe nach über 30 Jahren beim NWA keinen Tag bereut. Dies vor allem auch deshalb, weil ich mich auf ein sachkundiges, engagiertes, kaufmännisches Team beim NWA stützen kann. Am Ende des Arbeitstages sind es nicht die Zahlen in den Excel-Tabellen, die mich antreiben, sondern das Wissen, dass auch dank meiner Arbeit zu Hause der Wasserhahn läuft – stabil, sauber und bezahlbar.
Sie sind ein Zahlenmensch, kennen sich aus mit Bilanzen und Jahresabschlüssen und finden die Arbeit von Carsten Ernst spannend? Sie suchen einen neuen Job? Bewerben Sie sich beim NWA!
Hier finden Sie unsere Stellenausschreibung!
FÖRDERUNGEN
Erstellung einer Machbarkeitsstudie (LP 1 und 2) für das WASSERWERK PRENDEN Details ...
Erstellung einer Machbarkeitsstudie (LP 1 und 2) für das WASSERWERK BASDORF Details ...
Erstellung einer Machbarkeitsstudie (LP 1 und 2) für KLÄRANLAGE BOGENSEEE mit Schmutzwassernetz Details ...

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