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121. Verbandsversammlung des NWA: Bericht des Verbandsvorstehers

Dezember 05, 2025

Am 4.12. fand die 121. Tagung der Verbandsversammlung des Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverbandes im Bürgerhaus Zehlendorf statt. 

BERICHT DES VERBANDSVORSTEHERS

Sehr geehrte Verbandsmitglieder, Mandatsträger und Gäste,

Ich hatte Ihnen bereits zur 120. Tagung Ende Oktober einen Überblick zum ablaufenden Wirtschaftsjahr 2025 gegeben. Auch wenn die Datenlage derzeit nur geschätzt werden kann, bin ich sicher, dass wir wiederholt eine beeindruckende Bilanz vorlegen werden.Das gibt mir die Gelegenheit schon heute auf das kommende Jahr voraus zu schauen.

Eine magische Zahl steht im Raum: 12 Millionen Euro.

Das ist die Summe, die wir im kommenden Jahr investieren wollen. Hinter dieser gigantischen Zahl verbirgt sich mehr als nur Beton, Rohre und Technik.

Dahinter steckt ein fundamentaler Paradigmenwechsel des NWA!

Über drei Jahrzehnte hatten wir eine vorrangige Mission: Die Ortserschließung. Wir haben Leitungen, Schächte und Förderanlagen in den Boden gebracht, wo vorher „sibirische“ Versorgungsverhältnisse herrschten. Heutige Erschließungsgrade von um die 90% in beiden zentralen Medienbereichen belegen ganz deutlich die bisherige Erfolgsbilanz des NWA. Diese Ergebnisse dürfen uns ohne Arroganz mit Stolz erfüllen. Es gibt aber keinerlei Veranlassung für ein zufriedenes Zurücklehnen.

Die Herausforderungen der nächsten Jahre zur Erfüllung der übertragenen Pflichtaufgaben können wir nicht nur an der Bilanz der aufgelaufenen Betriebsdaten erkennen. Nach wie vor haben die Veränderungen im Verbrauchsverhalten eine ganz eigene Verbandsdynamik. Offensichtlich ist NWA-Wasser sehr beliebt. Hinzu kommen aktuelle gesetzgeberische Anforderungen für eine erhöhte Trinkwasserqualität sowie eine weitergehende Schmutzwasseraufbereitung und -wiederverwendung. Nicht zuletzt haben wir uns intensiv mit den KRITIS-Kriterien bis hin zur resilienten Ausgestaltung von Anlagen und Netze auseinander zu setzen.

Deswegen lauten schon heute die neuen Schwerpunkte Stabilisierung, Modernisierung und Sicherheit.

Lassen sie mich diesen Paradigmenwechsel an sechs konkreten Punkten weiter untersetzen.

  1. Die Mission „Erschließung“ - ist fast erfüllt
    Das Verbandsgebiet ist heute so gut wie vollständig erschlossen.
    Trinkwasser:      
    Start 1992 bei knapp 10 Prozent, Heute 97,1 Prozent Anschlussgrad.
    Aus knapp 1.500 Anschlüssen sind jetzt über 13.500 geworden.
    Schmutzwasser: 
    ursprünglich 2,6 Prozent, Heute auf 85,6 Prozent hochgearbeitet

Doch wir bleiben dran: Beim Schmutzwasser wollen wir die „magischen“ 90 % knacken, nicht nur um moderne Anschlussbedingungen herzustellen, sondern um die Voraussetzung für eine einheitliche Benutzungsgebühr zu schaffen und hier tatsächlich gerechtere aber vor allem solidarische Verhältnisse zu schaffen.

  1. Unsere Infrastruktur kommt in die Jahre.
    Ein Teil unserer Anlagen, insbesondere das TW-Netz, stammt aus den frühen 1990er Jahren. Was Jahrzehnte zuverlässig lief, zeigt erste Verschleißerscheinungen. Setzen wir den Anlagenbestand mit einem lebenden Organismus gleich, wird klar: mehr Pflege wird benötigt und bald müssen wichtige Organe ausgetauscht werden. Ganz konkret müssen wir an den ältesten Pumpwerken in Basdorf (Rosenstraße u. Karl-Marx-Platz) dringend ran, einschließlich der zugehörigen Netzanpassungen.

     

  2. Unsere Region wächst – und damit steigt der Bedarf
    In den 90er Jahren ging man von Bevölkerungsrückgang aus. Heute erleben wir das Gegenteil: starkes Wachstum, Zuzug, nach wie vor anhaltende Bauaktivität. Das hat direkte Folgen:

  • Der Wasserbedarf steigt.

  • Das Schmutzwasseraufkommen nimmt zu.

  • Die Netze laufen mitunter an ihren hydraulischen Belastungsgrenzen.

Darum investieren wir unter anderem in:

  • eine weitere Druckerhöhungsstation (DEST) im westl. VG,

  • die Brunnenerneuerung und Ersatzbohrungen in Prenden,

  • den Ausbau des Wasserwerks Basdorf,

  • hydraul. Verbesserung u. Ausbau des Schmutzwassertransportnetzes (ADL-Ring).

  1. Das Verbrauchsverhalten hat sich geändert
    Nicht neu, aber die Jahre 2024 und 2025 haben es wieder bestätigt:
    Der Pro-Kopf-Verbrauch ist bezogen auf die überwiegende Siedlungsstruktur im Verbandsgebiet verhältnismäßig hoch – Trend weiter steigend. Nicht, weil mehr getrunken wird, sondern wegen wertvoller Gartenkulturen und ähnlichen life-stile-Aspekten. Das bedeutet, dass die Sommerspitzen weiterhin extreme Belastungssituationen generieren werden. Der Blick auf Nachhaltigkeit und Ressourcenmanagement muss hier weiter kritisch bleiben. Ein hochwertiges Lebensmittel für die Grundstücksbegrünung einzusetzen kann nicht einfach hingenommen werden. 

    Versorgungstechnisch kann es jedoch nur eine Antwort geben: Errichtung zusätzlicher Speicher- u. Förderanlagen, einschließlich zugehöriger Verbindungstrassen um extreme Bedarfsschwankungen optimal ausgleichen zu können und damit den spezifischen Energiebedarf langfristig zu senken – zum Vorteil aller Anschlussnehmer und des Gebührenniveaus.

  1. Wir sind KRITIS – Kritische Infrastruktur
    Die Weltlage hat sich geändert, und damit die Bedeutung von Versorgungssicherheit. Wir müssen den NWA „krisenfest“ machen. Unser Konzept lautet: Redundanz. Fällt ein Anlagenteil aus, muss der Mangel alternativ ausgeglichen werden können. Unser konzeptioneller Ansatz ist die Entwicklung von Ringtrassen für beide Medienbereiche, denen leistungsfähige Speicher- u. Fördereinrichtungen sinnvoll an die Seite gestellt werden. Das wird uns in die Lage versetzen, auch im Großschadensfall robuster reagieren und Mindeststandards der Ver- u. Entsorgung gewährleisten zu können.

     

  2. Die Gesetzgeber ziehen die Zügel an und Berlin macht ernst
    Bei der Schmutzwasserbehandlung weht uns ein rauer Wind entgegen. Die Zeiten, in denen 2 oder 3 Reinigungsstufen auf den Kläranlagen genügten sind unwiderruflich vorbei. Status quo ist die weitergehende Nährstoffelimination: Die Daumenschrauben für Grenzwerte bei Nitrat und Phosphat werden drastisch angezogen. Obendrauf kommt die Spurenstoffbeseitigung, also Medikamentenrückstände und Mikroplastik.
    Die zukünftigen Schlagworte von Kläranlagenbetreibern heißen daher: Aktivkohlereaktoren, Membranfilterung und Ozonung. Das bedeutet nicht nur High-Tec sondern auch High-Kosten.
    Als ob die knallharte Perspektive nicht schon reichen würde, kommt aktuell eine Nachricht zum Augenreiben aus Berlin: Spätestens ab 2042 werden die BWB kein einzigen Tropfen Schmutzwasser mehr aus dem Brandenburger Umland auf Ihren Kläranlagen annehmen. Das klingt weit weg, ist aber für Infrastrukturplanungen quasi „Morgen“. Nach vorläufigen Schätzungen wird das im Speckgürtel etwa 700.000 Einwohner treffen. Das zugehörige Invest-Volumen soll bei mindestens 3 Milliarden Euro liegen.
    Heruntergebrochen auf die Größenordnung unseres Zweckverbandes bedeutet das für die kommenden 20 Jahre einen Finanzbedarf von ca. 10 Millionen Euro jährlich – nur für die Sparte Schmutzwasser! Hinzu kommen im gleichen Zeitraum drastisch steigende Aufleitungsgebühren, mit gleichem Trend für die Liebenwalder Kläranlage.

    Wir müssen umgehend prüfen: Kann die TAV-Anlage entsprechend angepasst werden? Müssen wir in eine eigen Schmutzwasserbehandlung investieren? Welche Effekte hätte ein interkommunales Projekt mit anderen Brandenburger Einleitern in der Nähe von Schönerlinde? Zu allererst sind aber leistungsfähige Vorflutmöglichkeiten und definierte Frachteinträge mit behördlicher Verbindlichkeit sicher zu stellen!

    Man muss kein Prophet sein, um zu wissen - Das braucht viel zusätzliche „Manpower“, einen langen Genehmigungsatem und eine stahlharte Kondition der öffentlichen Aufgabenträger. Die Botschaft, die ich Ihnen an dieser Stelle mitgeben kann: Wir werden uns auch dieser neuen, anspruchsvollen Aufgabe mit gesundem Selbstbewusstsein, mit unserer ganzen Erfahrung und ingenieurtechnischem Können stellen. Ohne eine feste Front aller Verbandsmitglieder wird das jedoch nicht gelingen können.

Darüber hinaus bleiben weitere wichtige Themen für die nächsten Jahre bestehen:

  • Digitalisierung der Prozess- und Leittechnik

  • Integration eines modernen Energiemanagements

  • Umsetzung übergreifender Fernwirk- und Datenerfassungssysteme

  • Planung und Realisierung eines des künftigen Verbandssitzes

Vor uns stehen Herkulesaufgaben. Sie sind genauso anspruchsvoll, wie die lebenswichtigen Erschließungsinvestitionen der vergangenen 33 Jahre und sie sind notwendig.

Vor dem Hintergrund einer objektiven Faktenlage und im Bewusstsein integraler Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge zu sein, bitte ich Sie heute um ein zukunftsweisendes Votum zum Wirtschaftsplan 2026. Ihre Zustimmung ist die Basis dafür den NWA gemeinsam und sicher, modern und unabhängig durch die kommenden Jahre und Jahrzehnte führen zu können.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

FÖRDERUNGEN  

Erstellung einer Machbarkeitsstudie (LP 1 und 2) für das WASSERWERK PRENDEN    Details ...

Erstellung einer Machbarkeitsstudie (LP 1 und 2) für das WASSERWERK BASDORF     Details ...

Erstellung einer Machbarkeitsstudie (LP 1 und 2) für KLÄRANLAGE BOGENSEEE mit Schmutzwassernetz     Details ...

 

 

 

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