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Notruf

Kunden fragen: Muss der NWA für die Folgen des Starkregens haften?

September 05, 2022

Am Freitag, den 26. August 2022, hat der Starkregen mehrere Grundstücke im Verbandsgebiet überflutet und teilweise verwüstet. Wassermassen von bis zu 190 Litern rauschten innerhalb von fünf Stunden vom Himmel, eine Naturkatastrophe. Nun fordern einige Grundstücksbesitzer Schadensersatz vom NWA. Ist das berechtigt?

Als Wasser- und Abwasserzweckverband sind wir für die sichere und zuverlässige Versorgung unserer Kundinnen und Kunden mit Trinkwasser und die sichere und zuverlässige Entsorgung des häuslichen Schmutzwassers unserer Kundinnen und Kunden zuständig. Das Kanalisationsnetz des NWA hat die Aufgabe, dieses Schmutzwasser zu den Klärwerken in Liebenwalde und Schönerlinde zu leiten. Die Rohre der Kanalisation sind unter der Straße verlegt. Den Verlauf ist an den Kanaldeckeln, die den  Wartungsschacht abdecken, gut zu erkennen. Viele Menschen nehmen an, dass die Löcher in diesen Deckeln dazu dienen, Regenwasser von der Straße aufzunehmen. Das ist ein Irrtum. Sie dienen der Entlüftung des Kanals, zur Ableitung von Schwefelwasserstoff, der sich in der Kanalisation bildet und bei Verbleiben die Anlagen stark schädigen könnte.

Bekanntermaßen sucht Wasser sich seinen eigenen Weg. Es ignoriert die Satzung des NWA, dass Regenwasser nicht in der Kanalisation entsorgt werden darf. Es fließt einfach durch diese Löcher in die Schmutzwasserrohre. An normalen Regentagen verkraftet das Schmutzwassersystem diese zusätzlichen Einträge. An Unwettertagen wie am vergangenen Freitag aber werden die übermäßigen Wassereinträge zu einem Riesenproblem. Das Netz ist nicht auf die Beförderung derartiger Wassermassen ausgerichtet. Das führt dazu, dass die Pumpen an ihre Leistungsgrenzen kommen. Das signalisieren sie durch Warnleuchten an den Pumpstationen. Unsere technischen Mitarbeiter waren deshalb am Freitag sofort vor Ort, um Schaltstellen und Pumpwerke zu kontrollieren und schnell einzugreifen. Keine einzige unserer Pumpen sind an diesem Katastrophen-Freitag ausgefallen. Die Pumpen werden regelmäßig gewartet und entsprechend der Laufzeitgarantie der Geräte planmäßig alle fünf bis sechs Jahre ausgetauscht.

Zusätzlich verschärft sich die prekäre Situation an solchen Regen-Unwettertagen durch die illegale Einführung von häuslichem Regenwasser in die Kanalisation. Der NWA versucht, durch Beneblung der Rohre Regen-Sündern auf die Spur zu kommen. Leider können wir nicht alle entdecken, da einige Leute bereits die Tricks kennen, um diese Benebelung zu umgehen. Laut Schmutzwasserbeseitigungssatzung des NWA (§8/Absatz 2) dürfen Grund-, Quell-, Drain- sowie Niederschlagswasser nicht in die Grundstücksentwässerungsanlage eingeleitet werden. Mit anderen Worten: Regenwasser muss auf dem eigenen Grundstück versickern.

Doch nicht nur das Kanalnetz des NWA kommt an solchen Unwettertagen an seine Kapazitätsgrenzen. Auch die Kläranlagen sind nicht für die Aufbereitung der doppelten bis dreifachen Wassermasse ausgerichtet.

Es gibt immer wieder Forderungen, das Leitungsnetz des NWA zu vergrößern. Wirtschaftlich ist es nicht sinnvoll, für ein bis zwei Extremwetter im Jahr Investitionen in Millionenhöhe vorzunehmen, um größere Rohre zu verlegen. Das ist unverhältnismäßig teuer. Außerdem würde es an mehr als 360 Tagen in den Rohren stinken, weil dann nicht genug Wasser hindurchläuft.

Für die Entsorgung des Regenwassers müssen also andere Lösungen gefunden werden.
Das ist aber definitiv nicht Aufgabe des NWA, sondern der Kommunen.