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Gartenbewässerung: Es MUSS sich etwas ändern!

Juni 21, 2022

Unglaublicher Spitzenverbrauch am Wochenende 17./18. Juni: An einem ganz normalen Tag im April 2022 verbrauchten die Kundinnen und Kunden 3600 Kubikmeter Trinkwasser. Am 18. Juni waren es unfassbare 8500 Kubikmeter! Zwischen 17 und 21 Uhr liefen die Gartensprenger im Verbandsgebiet des NWA auf Hochtouren.

Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel des Menschen. Mit großem Aufwand wird es aus den Tiefen der Erde gefördert, von Eisen und Mangan befreit und streng geprüft in höchster Qualität in die Haushalte geschickt. Wir hier in Deutschland haben das Glück, diese wertvolle Ressource unserer Erde rund um die Uhr scheinbar unbegrenzt nutzen zu können.

Einschränkungen sind nötig

Die bereits in den Jahren 2020 und 2021 geführte Diskussion zur Leistungsfähigkeit der örtlichen Wasserversorgung hat der Gemeinde vor Augen geführt, wie kostbar das durch den NWA geförderte Gut Trinkwasser ist.

In erster Linie dient Trinkwasser als Nahrungsmittel und als Brauchwasser zur Nutzung in unseren Gebäuden. Mindestens seit den Extremsommern 2018 / 2019 belegen die Messwerte des Zweckverbandes, dass ein Großteil der Fördermenge in der Vegetationsperiode zur Bewässerung der Gärten und Grundstücke sowie für die Reinigung und Befüllung von Pools und Teichen genutzt wird. Die nachweislich vor allem in den Nachmittagsstunden und am Wochenende zusätzlich beanspruchten Wassermengen führten das über Jahrzehnte gewachsene Leitungsnetz an seine hydraulischen Grenzen. Mehr als das Doppelte dessen, was die NWA-Kundinnen und -Kunden zum Trinken, Duschen, Waschen und Reinigen brauchen, wurde in den Gärten verteilt und in Pools gefüllt. Um dieser Entwicklung nachhaltige Grenzen zu setzen, müssen wir - insbesondere zum Schutz der lebenswichtigsten Ressource und nicht zuletzt zur Gewährleistung einer gesetzlich vorgegebenen sicheren Trinkwasserversorgung - über Einschränkungen für Brauchwasserentnahmen reden.

Maßnahmen zur Stabilisierung

Seit dem Jahr 2019 hat der NWA ein großes Paket von Maßnahmen zur Stabilisierung der Trinkwasserversorgung auf den Weg gebracht. Dazu werden zusätzliche Hauptversorgungsleitungen, Zwischenspeicher und Druckerhöhungsstationen gebaut. Das Investitionsprogramm umfasst ca. 8 Mill. Euro. Dies soll in erster Linie die Versorgungssicherheit und die Qualität der Lieferung sichern. Die Quantität bleibt davon zunächst unberührt, da sie durch weitere Anschlussnehmer in der Zukunft begründet wird. Das aktuell nachgewiesene Grundwasserdargebot wird die hochgerechnete Anschlusszunahme auch in Zukunft abdecken können.

Nachhaltige Nutzung der Ressource

Zur Versorgungssicherheit gehört nicht nur eine entsprechende Menge an Rohren, Leitungen und technischer Infrastruktur. Im Sinne der Generationengerechtigkeit sollten wir über die nachhaltige Nutzung der Ressource sprechen. Eine regenerative Nutzung dieser Ressource ist derzeit noch nicht möglich, da uns dazu eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft fehlt. Alles Wasser, das gepumpt wird, versickert oder verdunstet in unseren Gärten, oder fließt durch unsere Häuser und Klärwerke in Nord- und Ostsee. Im vergangenen Jahrhundert kamen noch ca. ein Prozent der Niederschlagsmenge in den Grundwasserleitern an. Dafür braucht das Wasser ca. 30 Jahre. In diesem Jahrhundert sieht das anders aus. Unsere Böden sind bis in Tiefen von zwei Meter ausgetrocknet. Es wird also keine, bis fast keine oberflächennahe Grundwasserneubildung geben.

Sinnloses Wässern vermeiden

Vor diesem Hintergrund ist die Betrachtung der Wasserverwendung dringend geboten. Es gibt drei Handlungsoptionen: 1. Wassersparen, 2. Erhöhen der Effektivität und 3. Aufbau einer teilweisen Kreislaufwirtschaft. Das Wassersparen wird in unseren Häusern schon mit vielen technischen Maßnahmen begleitet. Für eine Kreislaufwirtschaft fehlt der spezifische wissenschaftlich- technische Ansatz und die notwendige Reinigungsleistung der Klärwerke.

Sinnvoll und kurzfristig umsetzbar ist die Erhöhung der Wirksamkeit der Ressource bei der Nutzung als Garten- und Poolwasser. Am 18. Juni wurden 8489 Kubikmeter Trinkwasser im Verbandsgebiet verbraucht – doppelt so viel wie an einem ganz normalen Sommertag. Der Inhalt von zwei 50-Meter-Schwimmbecken (ein olympisches Schwimmbecken - 50 Meter lang, 25 Meter breit und 2 Meter tief fasst 2500 Kubikmeter Wasser) wurde in den Gärten vergossen, vor allem in den Nachmittagsstunden! Es ist im Sommer nicht sinnvoll, Wasser auf Rasen und Beete zu verteilen, wenn die Sonne bereits auf dem Weg zum Boden einen Teil des Wassers verdunstet. Pflanzen benötigen Wasser zum Wachsen und verdunsten einen Teil des aufgenommenen Wassers. Dadurch wird mittelbar unsere Umwelt gekühlt. Das Wasser im Boden wird von Mikroorganismen benötigt. Das ist unbestritten, und unsere Gärten übernehmen zweifelsohne eine große Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt. Ein Wässern der Gärten in den Mittags- und Nachmittagsstunden ist jedoch nachweislich eine Verschwendung. Durch die Sonneneinstrahlung und Hitze verdunstet ein Großteil des Wassers. Genauso ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, verschmutztes Poolwasser nicht komplett zu ersetzen, sondern mit vertretbarem Aufwand qualitätsgerecht aufzubereiten.

Angesichts des zwingend notwendigen Schutzes unserer Wasserressource werden die verantwortlichen Gemeindevertreter und der NWA wirksame Maßnahmen beschließen, den extensiven Wasserverbrauch an Sommertagen einzuschränken.

 

Verbrauchsdaten NWA 2022 (Kubikmeter)

Ostern

15.04.2022      10°C    3678 m3                     

16.04.2022      12°C    4107 m3                     

17.04.2022      15°C    4134 m3                     

18.04.2022      15°C    4690 m3                     

Pfingsten                              

03.06.2022      26°C    7174 m3                     

04.06.2022      24°C    7707 m3                     

05.06.2022      28°C    7854 m3                     

06.06.2022      26°C    5342 m3                 (im Tagesverlauf einsetzender Regen)                     

Hitze-Wochenende                          

17.06.2022      26°C    7802 m3                     

18.06.2022      34°C    8489 m3                     

19.06.2022      37°C    7402 m3                 (im Tagesverlauf einsetzender Regen)    

 

Foto:  Pixabay