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Notruf

Baustart der Druckerhöhungsstation

März 27, 2022

Am Wochenende rückten Forstarbeiter mit ihren Sägen in Stolzenhagen an, um die Bäume auf dem Gelände der geplanten Druckerhöhungsstation zu fällen. Obwohl die Forstunternehmen rund um die Uhr mit der Beseitigung der Orkanschäden ausgebucht sind, ist es dem NWA gelungen, die Fällungen vor dem gesetzlichen Fällverbot ab 1. März zu realisieren. Damit ist nun der Weg frei für den Bau der lange geplanten Druckerhöhungsstation in Stolzenhagen. Sie soll das Trinkwassersystem im Verbandsgebiet stabilisieren.

Umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen

Um die ungefähr 50 gefällten Bäume zu ersetzen, muss der NWA laut Auflage des Bauamtes umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen vornehmen. Um versiegelte Flächen für die Natur zu öffnen, wird auf dem Wasserwerksgelände in Prenden eine Betonstraße in der Größe der gefällten Waldfläche zurückgebaut. Dort wird der Zweckverband auch 1.750 Quadratmeter Wald aufforsten. Gemeinsam mit dem zuständigen Revierförster und dem beauftragen Forstdienstleister werden zukunftsfähige Bäume ausgewählt, die den klimatischen Herausforderungen standhalten. Mit diesen Ausgleichsmaßnahmen bereichert der NWA ein besonderes Biotop, das sich auf dem ehemaligen Militärareal entwickelt hat. Das Aufforstungsprojekt liegt somit innerhalb unseres Verbandsgebietes ganz in der Nähe der Baumfällungen.

Ausbau für die Zukunft

Die Druckerhöhungsstation ist für die langfristige Stabilisierung des Trinkwassersystems des NWA zwingend notwendig. Unser Verbandsgebiet liegt im Speckgürtel von Berlin. Prognosen gehen davon aus, dass die Bevölkerung der Hauptstadt bis zum Jahre 2030 um 4,7 Prozent wächst. Das hat auch Auswirkungen auf unsere Orte, auch sie wachsen spürbar. Selbst kleine Gemeinden verzeichnen einen deutlichen Zuzug. Immer mehr Grundstücke, die einst nur saisonal genutzt wurden, verwandeln sich in Hauptwohnsitze. Damit steigt auch der Bedarf an Trinkwasser. Das stellt das historisch gewachsene Trinkwassernetz des NWA vor neue Herausforderungen. Diese sind schon jetzt an heißen Sommertagen zu spüren. Wenn Gärten bewässert und gleichzeitig Pools befüllt werden, kommt die Versorgungsanlage des NWA an seine Belastungsgrenze. Um perspektivisch alle bisherigen und künftigen Haushalte ausreichend mit Trinkwasser zu versorgen, stellt die Druckerhöhungsstation (DEST) einen wichtigen Baustein im gesamten Stabilisierungskonzept dar. Damit wird nicht nur eine unabhängige Druckzone für die westlich gelegenen Ortsteile geschaffen. Gleichzeitig werden damit weitere Kapazitäten für hinzukommende Anschlüsse in den übrigen Ortsteilen des Verbandsgebietes erzeugt. Immer in unserem Fokus ist die Versorgungssicherheit, die allein mit dieser Anlage ein bisher nicht vorhandenes Instrument darstellt.

Prävention gegen Schwarzwasser

Eine Verdreifachung der Wasserabnahme innerhalb kürzester Zeit wie an heißen Sommertagen bewirkte bisher eine starke Veränderung der Fließbedingungen im Rohrnetz. Das Wasser strömte mit wesentlich höherer Geschwindigkeit durch die Rohre. Dadurch wurden verstärkt Ablagerungen in den Rohren gelöst. Sie zerfallen zu Partikeln und dunkel gefärbten Plättchen, die wolkenförmig mitgerissen werden. Diese Verunreinigungen, bekannt als „schwarzes Wasser“, waren eines der Hauptprobleme der Sommermonate 2019 und 2020. Mit dem Bau der neuen Druckerhöhungsstation werden die Fließbedingungen im Rohr stabilisiert. Damit ist auch die Gefahr einer Schwarzwasserbildung deutlich geringer. Zusätzlich wurde das gesamte Netz durch ein modernes, patentiertes Saug-Spülverfahren gereinigt. Deshalb kam es schon im vergangenen Sommer 2021 kaum noch zu Verunreinigungen des Trinkwassers.

Die Wahl des Standortes hat historische Ursachen.

In der Nachwendezeit hatte die damals selbstständige Gemeinde Stolzenhagen aufgrund einer vielversprechenden Erkundungsbohrung eines ortsansässigen Brunnenbauers die Errichtung eines Wasserwerkes in Höhe des Strandbades geplant. Daraufhin wurde von hier über die Straße am See in nördlicher Richtung bis zur Dorfkirche eine relativ groß dimensionierte Versorgungsleitung (DN 200) verlegt, an die sich die weiterführenden Leitungsstränge mit geringeren Nennweiten in den Ort sowie auch in Richtung zur Rahmerseesiedlung anschlossen.

Nach dem Beitritt Stolzenhagens zum neu gegründeten Zweckverband NWA erwiesen weitergehende Untersuchungen, dass der Bau eines Wasserwerks an diesem Standort hydrogeologische nicht sinnvoll ist. Alle weiteren Trinkwasserversorgungskonzeptionen basierten von da an auf der Grundlage der bereits vorhandenen, leistungsstarken Aufbereitungsanlagen in Prenden, Lanke und Basdorf. Die 200er Leitung wurde deshalb Ende der 90er Jahre in Höhe der Lanker Chaussee (KITAs) mit der neuen Transporttrasse und dem restlichen Versorgungsnetz verbunden.

Bei der aktuellen Suche nach einem geeigneten Standort für die Errichtung einer DEST für die westlich gelegenen Versorgungsgebiete, betrachteten die Betriebsingenieure des Zweckverbandes den ursprünglichen Wasserwerks-Plan in Stolzenhagen genauer. Es erwies sich, dass sich die hydraulisch beste Schnittstelle zwischen der bereits vorhandenen 200er Leitung und den geringer dimensionierten Abzweigungen in Höhe des Stolzenhagener Strandbades befindet.