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Bäume statt Wasser

Bäume statt Wasser

August 27, 2021

Keine Baugenehmigung für Druckerhöhungsstation Stolzenhagen

Das Bauordnungs- und Planungsamt der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises BARNIM hat dem NWA am 19. August 2021 nach neun Monaten Bearbeitungszeit mitgeteilt, dass der Bau der Druckerhöhungsstation am beantragten Standort bauplanungsrechtlich nicht zulässig ist. Zuvor gab es die gegenteilige Aussage vom Amt, die Baugenehmigung würde bis Ende Juni erteilt.

Grund der Ablehnung: die Erhaltung des Waldes auf dem geplanten Grundstück, der aus mittelalten Laubbäumen verschiedener Arten (Roteiche, Stieleiche, Eberesche, Spätblühende Traubenkirsche) besteht. Am 23. Juli 2021 wurde von den Fachministern der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen eine Gemeinsame Erklärung für eine Waldpolitik der Zukunft unterschrieben. Darin wurde der Grundsatz bekräftigt, dass Waldfläche zu erhalten ist und bei der Planung von Infrastrukturmaßnahmen Zerschneidungen von Waldgebieten möglichst zu vermeiden sind. In der Begründung der Bauablehnung heißt es weiterhin: Die Waldfläche in Stolzenhagen diene dem lokalen Klimaschutz, der aus forstfachlicher Sicht nicht kompensiert werden kann.

Katastrophale Folgen für den NWA

Mit dieser Entscheidung wird das Gesamtkonzept der seit Jahren vom NWA geplanten Stabilisierungsmaßnahmen der Trinkwasserversorgung zunichte gemacht. Zwar brachte der Bau der neuen Verbindungsleitung von Prenden nach Wandlitz bereits eine deutliche Verbesserung der Situation in Stolzenhagen. Bei Starkabnahmen in Trockenperioden aber kann der bisher erlebte Druckmangel nur durch die zusätzliche Errichtung der Druckerhöhungsstation ausgeglichen werden. Wird die Station nicht gebaut, kann der NWA die Versorgung weiterer Hausanschlüsse mit ausreichendem Trinkwasser nicht gewährleisten.

Doch es gibt einen weiteren, besorgniserregenden Aspekt. „Die für die Wasserversorgung lebensnotwendigen Brunnenneubohrungen an den vorhandenen Wasserwerksstandorten und die Erkundung weiterer Grundwasservorräte finden in aller Regel im Wald statt“, sagt Matthias Kunde, Verbandsvorsteher des NWA. „Mit solchen Entscheidung wird die Gewährleistung der Daseinsvorsorge der Kund:innen des NWA grundsätzlich gefährdet.“

Planungen auf null gesetzt

„Bei der Erarbeitung des mehrere Millionen Euro kostenden Investitionsprogramms haben verschiedene Ingenieursbüros fachkundig mitgearbeitet“, sagt Kunde. „Dabei wurden neben der Wirtschaftlichkeit natürlich auch Naturschutzaspekte berücksichtigt. Das gehört zu unserer Alltagsarbeit. Wir sind uns bewusst, dass Wald eine eminent wichtige Rolle auch für die Grundwasserneubildung spielt. Um beim Bau der Trinkwasserleitung durch den Liepnitzer Wald die Bäume nicht unnötig zu belasten, haben wir deshalb die Rohre nicht, wie traditionell üblich, in ausgehobenen Gräben verlegt. Damit wäre das Wurzelwerk entlang der Trasse stark belastet worden. Beim modernen, aber teureren Horizontalspülbohrverfahren muss nur alle 500 Meter eine Grube ausgehoben werden. Von dieser aus arbeitet sich der Bohrer unterhalb der Wurzelbereiche durch das Erdreich. Eine umweltschonende Technik, die nur punktuelle Eingriffe in die Ökologie verursacht.“ Für den Bau der insgesamt knapp neun Kilometer Leitungen und der Druckerhöhungsstation des geplanten Investitionsvorhabens sollten insgesamt ungefähr 60 Bäume gefällt werden. Und zwar nur die Bäume auf dem Grundstück in Stolzenhagen. „Unser  Gesamtkonzept, das dem Amt von Anfang an bekannt war, ist durch diese behördliche Entscheidung zunichte gemacht worden. Neuplanungen fordern Zeit, Jahre. Damit ist die Sicherung der Trinkwasserversorgung in weite Ferne gerückt. Temporäre Sprengverbote im Sommer müssten so zum Normalzustand werden.“

Keine kurzfristige  Alternative

Kann die Druckerhöhungsstation nicht einfach auf einem anderen Grundstück gebaut werden? „Nein, die historisch gewachsene Leitungsstruktur lässt eine sinnvolle Errichtung an dieser Stelle zu. Rechts und links des geplanten Grundstücks sind die Flächen ebenfalls bewaldet. Alternative Lösungen zur Anlagenrealisierung ohne Waldflächen zu nutzen, sind nach momentaner Bauplanung nicht realisierbar.“ Für das zu versorgende Verbandsgebiet (Schmachtenhagen, Wensickendorf, Zehldendorf, Zühlsdorf und Stolzenhagen) gibt es keinen anderen Anbindungspunkt ans Netz.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Matthias Kunde, Verbandsvorsteher NWA, Tel.: 033053 - 902-12
Jana Krone, PR- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0171 – 712 13 31

 

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